Granit, Sandstein, Marmor: Eigenschaften und Einsatz am Grab

Nicht jeder Stein lässt sich gleich bearbeiten. Erfahre, wo die Grenzen für spaltraue, rustikale Oberflächen liegen und welche Alternativen es gibt.

Spaltrau vs. ähnlich spaltrau – warum die Lagerungsrichtung entscheidend ist

Einfassung mit dem Lager

Bei einer Einfassung lässt sich die klassische Kombination aus bossierter Kante und strukturierter Oberfläche sehr gut umsetzen, wenn mit dem Lager gearbeitet wird.

Hier lässt sich die Bosse kontrolliert entlang der natürlichen Schichtung ziehen. Das Material folgt seiner gewachsenen Struktur, wodurch eine gleichmäßige, markante Kante entsteht. Der mittlere Bereich wird anschließend beispielsweise durch Flammen angeraut, sodass ein harmonisches Gesamtbild aus rustikaler Kante und strukturierter Fläche entsteht.

Das Ergebnis wirkt natürlich, hochwertig und handwerklich sauber.

Einfassung gegen das Lager

Ganz anders sieht es aus, wenn eine Einfassung gegen das Lager bearbeitet werden soll.

Hier trifft die Bearbeitung quer auf die einzelnen Schichten des Materials. Statt einer durchgehenden, kontrollierten Bosse reagiert jede Lage unterschiedlich. Das Werkzeug arbeitet nicht mit der natürlichen Struktur des Steins, sondern gegen sie.

Die Folgen:

  • unkontrollierte Ausbrüche
  • ungleichmäßige Kanten
  • erhöhte Spannungen im Material
  • Abplatzungen statt definierter Struktur
  • extrem hoher manueller Aufwand

Deshalb wird in solchen Fällen auf eine ähnlich spaltraue Bearbeitung ausgewichen, bei der die rustikale Optik technisch anders erzeugt wird. Eine rustikale Fläche zu erzeugen ist somit möglich, aber deutlich aufwendiger in der handwerklichen Umsetzung.

Soll die Einfassung nur auf der Oberseite oder nur seitlich rustikal bearbeitet werden, ist dies in der Regel problemlos möglich. Sollen jedoch Oberseite und Seitenflächen gleichzeitig rustikal gestaltet werden, kann dies zwar ebenfalls umgesetzt werden, erfordert jedoch zusätzliche Arbeitsschritte, um auch die Seitenflächen passend auszuarbeiten.

Grabstein mit dem Lager

Bei einem Grabstein ist die Bearbeitung mit dem Lager ebenfalls möglich, jedoch anders als bei einer Einfassung.

Hier wird die Außenkante ringsherum mit dem Lager in die Fläche bossiert. Dadurch entsteht eine natürliche, kraftvolle Struktur entlang des Randbereichs. Diese Bossen reichen jedoch nicht über die gesamte Fläche des Steins.

Damit ein harmonisches Gesamtbild entsteht, wird der Verlauf der Bosse anschließend händisch mit der Flex weitergeführt. Durch zusätzliche Bearbeitung mit Bürsten und Sandstrahlgeräten wird die Oberfläche weiter angepasst, sodass der Übergang natürlich wirkt und die gewünschte rustikale Optik über den gesamten Stein hinweg erhalten bleibt.

Grabstein gegen das Lager

Bei einem stehenden Grabstein ist die Bearbeitung gegen das Lager ebenfalls möglich – die Umsetzung hängt jedoch stark von der gewünschten Form ab.

Bei geraden Seitenflächen eignet sich insbesondere eine Kombination aus Spitzen, Überbürsten und Sandstrahlen. So lässt sich eine rustikale, lebendige Oberfläche erzeugen, ohne gegen die natürliche Struktur des Materials eine technisch problematische bossierte Bearbeitung erzwingen zu müssen.

Anders sieht es bei runden Kanten, wie beispielsweise bei unseren Felsen aus Andeer , Maggia, Arctis Grau oder Serpentinit, aus. Durch die höhere Stabilität der Form und den weicheren Kantenverlauf ist es hier möglich, die einzelnen Schichten gegen das Lager zu bossieren. Die Kräfte verteilen sich kontrollierter als bei einer scharfkantigen Geometrie, wodurch sich eine markante, handwerklich charaktervolle Oberfläche erzeugen lässt.

Gerade diese Unterschiede zeigen, warum Naturstein keine Standardlösung kennt: Die Bearbeitung muss sich immer an der natürlichen Struktur des Materials und der gewünschten Gestaltung orientieren.

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